Förderprojekt für Flüchtlinge in Ausbildung trägt Früchte

Die acht neuen Azubis der Bikar Aluminium GmbH in Korbußen. Links im Bild Mohammad Hakim Ghaimi aus Afghanistan. (Foto: Marcel Hilbert)

Dank eines Projektes der Thüringer Kammern starten mehrere Flüchtlinge dieser Tage in die Lehre, darunter Mohammad Ghaimi bei Bikar Aluminium.

Gera/Korbußen. 1280 Ausbildungsverträge sind im Bereich der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostthüringen für das beginnende Ausbildungsjahr abgeschlossen worden. Mohammad Hakim Ghaimi aus Afghanistan hat einen davon ergattert. Er ist einer von acht Lehrlingen, die in dieser Woche bei der Firma Bikar Aluminium in Korbußen anfingen. Der 20-jährige Flüchtling aus der Stadt Kundus soll in den nächsten zwei Jahren den Beruf des Maschinen- und Anlagenführers erlernen.

Er könne gar nicht ausdrücken, was ihm diese Chance bedeutet, sagt der junge Mann, der vor nicht einmal zwei Jahren über die sogenannte Balkanroute nach Deutschland kam und aktuell in einer Gemeinschaftsunterkunft in Gera lebt. Im April 2016 wurde er Teilnehmer des Projektes zur Förderung der beruflichen Integration von Flüchtlingen (FIF). Mit dem vom Land finanzierten gemeinsamen Projekt der Thüringer IHKs und der Handwerkskammern werden Flüchtlinge auf ihrem Weg in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt begleitet werden sie, aber auch die Unternehmen beraten und unterstützt.

Mohammad war sehr eigeninitiativ, sagt IHK-Koordinatorin Silke Raschke und berichtet von Praktika unter anderem bei Kaeser und Thorey in Gera sowie bei Bikar. Hier habe er sich am wohlsten gefühlt. Von einem sehr positiven ersten Eindruck berichtet auch Bikar-Produktionsleiter Christian Harzendorf. Für den recht jungen Betrieb mit rund 200 Mitarbeitern am Standort Korbußen sei das Projekt Neuland und ohne Unterstützung der IHK nicht möglich gewesen, sagt Harzendorf. Er betont aber auch, dass die Offenheit und Bereitschaft des Kollegiums eine Grundvoraussetzung sei. Nur weil wir so offen sind und auch Quereinsteigern die Chance geben, konnten wir uns so gut entwickeln , sagt er. Hinzu käme, dass Mohammad selbst aufgeschlossen und wissbegierig sei.

Davon kann auch Anneliese Mehr berichten. Die Wernsdorferin hat den 20-Jährigen durch den Freundeskreis für Flüchtlinge kennengelernt und ihn als Patin begleitet. Als er kam, konnte er weder Deutsch noch Englisch, hat aber in kürzester Zeit unglaublich schnell gelernt und deshalb auch die Chance bekommen, sein Berufsvorbereitendes Jahr in einer deutschen Klasse zu machen, erzählt Anneliese Mehr. Nun hat er den Hauptschulabschluss und eine Ausbildung, worauf die Patin, aber auch der junge Afghane spürbar stolz sind.

Vom Status her habe er nun eine Ausbildungsduldung, die ihm und dem Unternehmen zumindest für die Ausbildungszeit Sicherheit geben sollen. Sein Asylverfahren läuft derweil weiter. Über das zum 1. Dezember gestartete FIF-Projekt, erklärt Silke Raschke, seien 2016 zehn Flüchtlinge im Bereich der IHK Ostthüringen in Ausbildungsverhältnisse gebracht worden, 2017 seien es bisher 14, es stünden aber noch weitere Verträge in Aussicht.

Von Marcel Hilbert

Quelle:
gera.otz.de/web/gera/startseite/detail/-/specific/Foerderprojekt-fuer-Fluechtlinge-in-Ausbildung-traegt-Fruechte-549042814

Ostthüringer Zeitung (03.08.2017)
Internet: www.otz.de
Bildquelle: Foto von Marcel Hilbert (OTZ - Ostthüringer Zeitung)

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